Mittwoch, 21. Januar 2015

Porträt: Von einem der nie aufgibt Teil 2 - Nach dem Alkohol der Krebs

Bernd Goebel hat es geschafft seine Alkoholkrankheit zu besiegen. Der 49 jährige Familienvater aus dem regnerischen Sauerland nutzte sein Leben seit dem, um anderen zu Helfen. Völlig offen redete er über seine Sucht und machte auf das Thema Alkoholismus - unter anderem durch Suchtpräventionen an Schulen und Firmen - aufmerksam. Die Kraft hierfür schöpfte er durchweg aus seiner positiven und lebensbejahenden Einstellung. Er genoss sein Leben, nachdem er viele Jahre alles nur durch einen Schleier aus Alkohol wahrgenommen hatte. Doch änderte sich im März 2014 sein Leben schlagartig. 

Die Diagnose

In der Nacht vom 14.03 auf den 15.03.2014 kam er mit „unvorstellbaren Rückenschmerzen“ ins Krankenhaus Attendorn. Nach dem Röntgen berichtete ihm der Arzt, dass ein Brustwirbel zerstört sei und sich ein spitzer Knochen direkt vor dem Spinalkanal befinde. Im Anschluss an die darauffolgenden Untersuchungen berichteten ihm die Ärzte, dass sie zusätzlich noch schwarze Schatten an der Wirbelsäule festgestellt hätten. „Es könnte sich hierbei um Metastasen handeln.“, sagte man ihm. Im Tumorzentrum der Uniklinik Essen teilte man ihm dann die Diagnose mit: „Knochenmarkkrebs - Multiples Myelom“. Also Krebs. Und dann noch einen den er nicht mal aussprechen kann.
Bernd war in den ersten Tagen danach sehr niedergeschlagen: „So ein Scheiss, erst der Alkohol, jetzt der Krebs. Warum kann ich nicht mal was Normales bekommen wie z.B. ein Beinbruch? Es muss immer was sein, was um Leben und Tod geht.“ Außerdem litt er an erheblichen Schmerzen, bei denen selbst Morphium nichts mehr nützte. „Aber ich hatte den Alkohol besiegt und von dem blöden Krebs lasse ich mich nicht unterkriegen. Ich begann zu kämpfen und wusste, dass alles gut wird.“ Und so kämpfte er. 
Bevor mit der ersten Chemotherapie begonnen werden konnte, wurde der Bereich um den  Brustwirbel mit einem Gestell aus Titan stabilisiert. Nach dieser schweren Operation und langer Bettruhe, musste Bernd zunächst langsam lernen, sich wieder zu bewegen. „Mit Hilfe von Krankengymnastik klappte es innerhalb von einer Woche, so dass ich in der Karwoche meine erste Chemo bekam“, erklärte Bernd. Es folgten 15 weitere Chemotherapien sowie eine Stammzellentransplantation, die mit eigenen Stammzellen durchgeführt werden konnte.  In den insgesamt 16 Chemos ist die Hochdosis-Chemo enthalten gewesen, die einen normalerweise „aus den Socken haue“, wie Bernd erklärte.
Bernd hatte Glück: „Die Chemotherapie habe ich gut vertragen, obwohl es mir teilweise sehr schlecht ging. Die Horror-Nebenwirkungen, über die ich vorab aufgeklärt wurde, sind zum Glück nicht eingetreten“.

Langeweile und Schlafprobleme 

Krankgeschrieben war Bernd vom 15.03. bis zum 24.11. In der Zeit hat er insgesamt acht Wochen im Krankenhaus gelegen. Die ersten drei Wochen nach der Operation waren hart, da er sich nicht bewegen konnte. Er hatte teilweise sehr starke Schmerzen, die mit Morphium und anderen Schmerzmittel bekämpft wurden. Als er dann aufstehen konnte, „ging es so einigermaßen“. Nachdem er die ersten Chemotherapien bekommen hatte, stellte sich bei ihm eine fast chronische Schlaflosigkeit ein, was u.a. auch an den Kortisontabletten lag, die er nehmen musste. Über Wochen und Monate konnte er nachts nur drei bis vier Stunden geschlafen. Während seines Krankenhausaufenthalts litt er daneben an schrecklicher Langeweile. Sich mit Lesen - wie während des Entzugs - zu beschäftigen, funktionierte nicht. Er konnte sich einfach nicht konzentrieren und verbrachte seine Zeit mit Fernsehen: „Sendungen wie Shopping Queen etc. kenne ich mittlerweile in- und auswendig.“ 
Nach dem Krankenhausaufenthalt ging es für drei Wochen in die Reha. Er war mit Abstand der Jüngste: „Wenn Omis schon anfangen sich über ihre Rollatoren zu unterhalten, dann spricht das für sich.“
Zwischenzeitlich konnte er mit der beruflichen Wiedereingliderung beginnen. Und Ende November war er wieder voll arbeitsfähig. 
Am 07.11. bekam er die Nachricht: Der Krebs ist nicht mehr nachzuweisen. Die Chemotherapie mit Stammzellentransplantation habe ihn komplett zurückgedrängt. Allerdings wird die Freude über die Nachricht etwas gehemmt. Die Form seines Krebses ist nicht heilbar. Bernd muss also damit rechnen, dass er irgendwann wieder ausbricht.
Während seiner Zeit der Chemotherapie hat Bernd nicht daran gedacht, dass er vielleicht sterben könnte: „Dafür hatte ich keine Zeit und die Kraft brauchte ich für den Kampf gegen den Krebs.“ So verlor er nie seinen Humor und lachte sogar gemeinsam mit anderen Patienten auf der Krebsstation. „Dort herrscht normalerweise immer so eine finstere Stimmung, die an einen an einen Friedhof erinnert“, beobachtete er.
„Ich hatte den absoluten Willen leben zu wollen. Mit meinen 48 Jahren war ich noch nicht am Ende. Ich habe noch viel vor. Das lasse ich mir durch den Krebs nicht vermiesen.“ Neben seiner lebensbejahenden Art, unterstützten ihn seine Familie und seine sehr guten Freunde und gaben ihm in schwachen Momenten den nötigen Halt im Kampf gegen den Krebs. 

Heilung beginnt im Kopf


Bernd ist der festen Überzeugung, dass es für die Bewältigung des Krebses von ausschlaggebender Bedeutung sei, dass er den Alkohol besiegt habe: „Das hat mir sehr geholfen. Das ausschlaggebende Wort ist AKZEPTANZ. Ich habe akzeptiert, dass ich krank bin und muss mich dementsprechend aufstellen.“ Selbstmitleid und die Frage „Warum ausgerechnet Ich“, waren für ihn völlig Fehl am Platz. Für ihn ist klar, dass man alle Kraft in den Heilungsprozess „stecken muss“ und nicht mit negativen Gedanken verschwenden darf.  So folgte er ganz der Meinung seines Chefarztes bei der Visite, der sagte: „70 % des Heilungsprozesses bei Krebs beginnen im Kopf.“ Dem kann Bernd nur zustimmen! 

Mittwoch, 14. Januar 2015

Lifestyle: So klappt es mit den Prüfungen

Noch wenige Wochen, dann ist das Sommersemester auch schon wieder geschafft. Hoffentlich. Denn nun stehen einige Klausuren an. Verdammt. Hatte ich mir nicht vor diesem Semester vorgenommen, regelmäßig zu wiederholen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen, überhaupt viel viel mehr zu lernen... Wurde wohl nichts draus. Wie immer eben. Die Zeit war gegen mich und nun gucke ich doof aus der Wäsche. Vier Wochen bleiben noch um das Semester zu retten und gut über die Bühne zu bringen. Deswegen habe ich mich mit Strategien, Tipps und Tricks rund um das Thema Lernen auseinandergesetzt. Und damit ihr auch was davon habt, teile ich meine Erkenntnisse natürlich gerne mit euch!


1. Frühzeitig Anfangen: 

Ja klar, der Zug ist jetzt schon abgefahren. Dennoch ist ein Unterschied, ob ich noch ein paar Wochen oder nur noch wenige Tage habe. Letztlich gilt, dass kurzfristiges Lernen völlig für die Katz ist. Nicht nur weil man es nicht schafft, den ganzen Stoff für die Prüfung zu behalten, sondern auch, weil dieses Wissen nicht in Erinnerung bleibt. Bulimie-Lernen ist der hierfür häufig verwendete Begriff. So wird das exzessive Gelernte nach der Prüfung einfach "ausgekotzt" und ist nicht mehr abrufbar. Schade um die viele Zeit.


2. Regelmäßig Lernen: 

Wer regelmäßig 30- 40 Minuten für ein Fach lernt, muss kurz vor der Prüfung lediglich wiederholen. Das ist effektiv und vor allem zeitsparend. Also täglich die Nase in die Bücher, Skripte und Aufschriebe!


3. Mind Maps:

Um sich einen guten Überblick über ein Thema zu verschaffen, sind Mind Maps zu empfehlen. Durch die Stichpunkte kann man sich die wichtigsten Aspekte eines Themas besser behalten. Andere Möglichkeiten sind Tabellen, Schemata und Grafiken.


4. Motivation: 

Wer sich bereits vor dem Lernen innerlich dagegen sträubt, lernt definitiv schlechter und mit einer gewissen Ablehnungshaltung. Sucht euch also irgendeine Motivation um Lernen zu können. Dies könnte zum Beispiel eine Belohnung sein: Shoppen, faules Wochenende, Urlaub...


5. Lerntyp:

Man sollte sich fragen, welcher Lerntyp man überhaupt ist. Der eine lernt besonders gut in der Gruppe, der andere braucht absolute Stille... Ist man sich darüber im Klaren, findet man leichter seinen absoluten Lern-Wohlfühl-Ort.


6. Spickzettel:

Nein den sollt ihr nicht zum Spicken während der Klausur verwenden. Der positive Aspekt eines Spickzettels (NUR BEI NICHTVERWENDUNG) liegt darin, dass man den Stoff verdichtet und sich die wirklich zentralen Aussagen so gut merkt. Damit schafft man wahrscheinlich nicht die 15 Punkte, weil einem Schlau-Wissen fehlt, aber bestehen ist somit definitiv drin.


7. Vertrauen:

Vertraue in dich selbst! Immer wieder wird einem von anderen dieses und jenes Buch empfohlen, dieser Crashkurs, jene Website usw. Vor allem aufpassen bei Empfehlungen von Dozenten, Professoren o.a. Die wollen ihre Bücher auch einfach nur verkaufen. All dieser Input von außen, was man lesen muss, wie man lernen soll usw. setzt einen unter Druck und lenkt letztlich vom Lernen ab. Deshalb gilt auf sich selbst zu vertrauen und nicht nur das nachmachen, was andere sagen.


8. Grob anfangen: 

Um erfolgreich Klausuren zu bestehen, ist es sinnvoll beim lernen vom Groben ins Detail zu gehen. Das heißt: Ich beginne mit einem Überblick über die Materie. Wenn diese Grundlagen dann einigermaßen im Kopf sitzen, eignet man sich mit Details das nötige Wissen für die besseren Noten an. Direkt mit einem dicken Lehrbuch/ Skript etc. anzufangen gibt einem direkt das Gefühl völlig erschlagen zu sein und demotiviert daher - ganz nach dem Spruch: "Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr".


9. Nicht nur Lesen: 

Wirklich erfolgreich und langfristig lernt man erst, wenn man mehrere "Kanäle" - also Zugänge zu meinem Hirn - nutzt. Es gibt ganze 3 Kanäle: Sehen, Hören, Fühlen.
Durch das Sehen kann man sich den Stoff visuell einprägen. Hierfür eignen sich besondern - bereits angesprochen - Mind Maps, Schemata, Tabellen, Übersichten, Grafiken usw.
Je öfter man etwas hört, desto besser kann man etwas lernen. Dies gilt vor allem für das Auswendiglernen. Sprecht euch eure Karteikarten also immer wieder vor, lest laut oder nehmt euch direkt mit eurem Handy auf, während ihr ein Thema durchsprecht und hört es euch später wieder an.
Beim Fühlen, hier also dem Niederschreiben des Wissens z.B. auf Karteikarten, speichert man besonders gut Informationen. Als Erweiterung hiervon ist das "Selbst-machen" zu sehen. Habe ich etwas verstanden und kann es selbst durchführen z.B. Gutachten, Rechenaufgabe lösen, dann sitzt es wirklich im Kopf.


10. Pausen einlegen:

Das Gelernte sitzt nicht sofort fest im Kopf. Dieser benötigt zum Verarbeiten Zeit. Deswegen sollte man kleinere Lerneinheiten hinweg am Schreibtisch sitzen und zwischen ihnen Pausen einlegen. Diese Pausen verbringt man allerdings am besten damit aufzustehen, an die frische Luft zu gehen, Atemübungen zu machen usw. Der Blick auf das Smartphone oder das Surfen im Internet sind nicht förderlich. Die Pausen sind auch aus dem Grund wichtig, dass der Kopf ab einer bestimmten Masse an Input nicht mehr neue Informationen aufnimmt. Dann wäre die Lernerei für die Katz.
Doch muss nicht nur zwischen den Lerneinheiten Pause gemacht werden. Allgemein gilt in der meist nervenaufreibende Klausurenphase, dass man Möglichkeiten braucht um Stress abzubauen: Sport, Lesen, Freunde treffen, Yoga, Meditieren, Spazieren, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung usw.


11. Arbeitsplatz:

Je nach persönlichen Vorlieben, ist der Arbeitsplatz für erfolgreiches Lernen wichtig. Häufig wird geraten diesen ordentlich zu halten. Der Arbeitsbereich ist im besten Fall vom Arbeitsbereich zu trennen. Es sollten also nur die Sachen auf dem Schreibtisch liegen, die man jetzt auch zum Lernen braucht. Ganz nach der Devise: So wenig Ablenkung wie möglich! Persönlich mache ich mir zum Lernen eine Duftkerze an, besorge mir eine Flasche Wasser, grünen Tee, eine kuschelige Decke und etwas zum Knabbern. Voll ausgestattet also.


12. Planung:

Damit man nicht in Zeitnot gerät, kann ein Lernplan helfen. In Woche 1 fasse ich zusammen, dann schreibe ich Karteikarten, 2 Wochen vor der Klausur werden Übungen gemacht und schließlich wiederhole ich nur noch. Besonders wichtig: Am Tag VOR der Prüfung nichts Neues mehr lernen, sondern die Zeit zur Entspannung nutzen. Dies gilt ebenfalls für den Prüfungstag selbst. Alles andere artet häufig in Panikattacken aus.


Ich wünsche Euch ganz viel Erfolg für die Prüfungen! 
Eure Simas

Was sind Eure Erfolgsgeheimnisse für erfolgreiches Lernen?

Lautgedacht: Wie wurde eine Terroristin zur Ikone? - Ulrike Meinhof

Ulrike Marie Meinhof wurde 1934 in Oldenburg geboren und erhängte sich 1976 in ihrer Zelle im Gefängnis Stuttgart-Stammheim. Doch was brachte sie zu diesem endgültigen Schritt? Sie war eine deutsche Journalistin, die sich in der Westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre engagierte, sich jedoch zu einer Terroristin radikalisierte. Als Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) war sie an verschiedenen „Aktionen“ der terroristischen Gruppe beteiligt. Besonders an ihr ist, dass kein anderes Mitglied der RAF derart oft Mittelpunkt von Publikationen steht wie Meinhof. Was ist an ihr so besonders? Ist es die tragische Geschichte ihres Lebens? Wie konnte eine Frau, die solch schreckliche Anschläge verübte, bei denen mehrere Menschen verstarben, Sympathisanten in der Bevölkerung haben? In diesem Essay soll daher der Frage auf den Grund gegangen werden wie eine Terroristin zur Ikone werden konnte. Dabei liegt der Augenmerk auf dem Stück von Elfriede Jelinek „Ulrike Maria Stuart“. 
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Um ein Urteil über Meinhofs Leben fällen zu können und warum dieses so interessant für Rezeptionen ist, muss zunächst ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden.
Nachdem sie ihre frühe Kindheit in Oldenburg verbrachte, zog sie aufgrund der Anstellung des Vaters Werner Meinhof nach Jena. Nachdem ihr Vater 1940 an Krebs verstarb, begann ihre Mutter Ingeborg Meinhof Kunstgeschichte zu studieren. Renate Riemeck, die Kommilitonin der Mutter trat in Ulrikes Leben und wurde für sie zu einer Vertrauensperson.  Nach dem Einmarsch der Amerikaner zogen Ulrike, Ingeborg sowie Renate zunächst nach Berneck und darauf wieder nach Oldenburg. Als Ulrike 14 Jahre alt war, starb ihre Mutter Ingeborg, woraufhin der Historikerin Renate die Vormundschaft für Ulrike und ihrer Schwester übertragen wurde. Die politische Karriere Ulrike Meinhofs begann etwa nach dem Abitur bzw. mit Beginn ihres Studiums der Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik in Marburg. Nachdem sie sich in der evangelischen Reformbewegung engagierte, wechselte sie 1957 zur Westfälischen Wilhelms-Universität nach Münster und schloss sich dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund an. Als Sprecherin des „Anti-Atomtod-Ausschusses“ war sie gegen die Pläne Adenauers die Bundeswehr atomar zu bewaffnen und so in der Friedensbewegung tätig. Nach einer kurzen Zeit als Mitglied des AStA der Universität, trat sie der KPD bei, welche sie erst im Jahr 1964 wieder verließ. Ihre journalistische Karriere startete zwar bereits in der Schulzeit, aber von 1959 bis 1969 arbeitete sie für die linke Zeitschrift „konkret“ und hatte dort die Stellung der Chefredakteurin. 1961 heiratete sie den Herausgeber der Zeitschrift Klaus Rainer Röhl. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, die nach der Trennung 1967 mit Meinhof nach Berlin zogen. Im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit, lernte sie beim Prozess über die Kaufhaus-Brandstiftungen 1968, über welchen sie publizierte, die Angeklagten Thorwald Proll und Horst Söhnlein sowie die späteren RAF-Mitglieder und Gründer Andreas Baader und Grudrun Ensslin kennen. Nach dem Attentat auf den Studentensprecher Rudi Dutschke, woraufhin sich die Studentenproteste extrem verstärkten, wurde Meinhof immer radikaler und kompromissloser. So nahm sie im Mai 1970 an der Befreiung Andreas Baaders teil, bei welcher ein Unbeteiligter angeschossen und schwer verletzt wurde. Dies wird als erste „Aktion“ und Gründungsakt der RAF bezeichnet. Daraufhin wurden Meinhof und die anderen steckbrieflich wegen Mordverdachts gesucht und ihr Leben ging in den Untergrund. Dort verübte sie mit ihren Genossen der RAF mehrere Banküberfälle und war an fünf Bombenanschlägen beteiligt. 1971/72 formulierte sie drei Kampfschriften der RAF, die die Ideologie des „bewaffneten Kampfs“ untermauerten.  Währenddessen befanden sich ihre beiden Töchter zunächst in Sizilien bei einem Freund, weil   Meinhof sie nicht dem Vater Röhl überlassen wollte. Stefan Aust brachte sie aber nach Hamburg zu Röhl.  Schließlich wurde sie im Juni 1972 festgenommen. Bis Februar 1973 war Meinhof im „toten Trakt“ der Justizvollzugsanstalt Köln inhaftiert und völlig isoliert. Mit einem Text „Brief aus dem Toten Trakt“, der aus dem Gefängnis geschmuggelt wurde, erzählte sie, wie quälend die Zeit dort war. Dieser hatte eine starke Wirkung auf die Sympathisantenszene. Meinhof verschwieg in ihrem Brief allerdings, das sie in den ersten neun Monaten der Untersuchungshaft über vierzig Besuche empfing. Am 29. November 1974 wurde sie aufgrund der Baader-Befreiung zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und in die Justizvollzugsanstalt Stuttgart eingewiesen. Im Mai 1975 wurde sie wegen vierfachen Mordes und vielfachen Mordversuchs angeklagt. Zu einer Verurteilung kam es jedoch aufgrund ihres Selbstmords 1976 nicht. Ein Justizbeamter der JVA Stuttgart fand Meinhof in ihrer Zelle, mit einem in Streifen gerissenen und verknoteten Handtuch erhängt vor. Eine offizielle Obduktion stellte zwar Tod durch Erhängen fest, aber Mitglieder der RAF bezweifelten den Selbstmord Meinhofs. So wies eine von Angehörigen im August 1976 initiierte internationale Untersuchungskommission Widersprüche in den kriminalistischen und medizinischen Untersuchungen des Todes von Meinhof auf. Sie soll zum Zeitpunkt des Todes bereits tot gewesen sein. Die Todesnachricht Meinhofs führte zu zahlreichen und teilweise gewalttätigen Demonstrationen. Im Herbst 2002 erfuhr ihre Tochter Bettina Röhl, dass das Gehirn ihrer Mutter jahrzehntelang im Formalin aufbewahrt und nicht beerdigt wurde. Es kam heraus, dass Meinhof sich 1962 erfolglos einen gutartigen Tumor im Gehirn entfernen ließ. So könnte auf eine Schuldunfähigkeit Meinhofs infolge eines Hirnschadens plädiert werden. 
Ihr Leben wurde in verschieden Formen, von Büchern, über Filme, Mode, hin zu Theaterstücken rezipiert. So wurde der Text „Der Baader-Meinhof-Komplex“ von dem Journalisten Stefan Aust eine einflussreiche Darstellung ihres Lebens und Grundlage für den gleichnamigen Film. Die Publizistin Jutta Ditfurth stellte Meinhof in ihrer Biographie von ihr sehr positiv dar. Sarah Coven grenzte sich von den typischen Biographien ab und bezog sich in ihren Texten auf Meinhofs Sprache. Mit dem nötigen Wissen wurden die verschiedenen Journalisten und Publizisten unter anderem von Riemcke und Röhl versorgt, der selbst in seiner Biographie viel über Meinhof schrieb. Auffallend ist, dass das Leben der anderen Terroristen wie Bader oder Ensslin nicht so häufig rezipiert wurden und nicht in derselben Weise mit der deutschen Geschichte verknüpft werden wie die Meinhofs. 
Ein Stück über die Terroristin, das Aufsehen erregte, wurde von Elfriede Jelinek verfasst. Sie überblendete in ihrem Stück „Ulrike Maria Stuart“ die Biographie Meinhofs mit der Maria Stuarts. „Was hat Meinhof, die zu den führenden Mitgliedern der RAF, der so genannten Baader-Meinhof-Gruppe zählte, mit der schottischen Königin Maria Stuart zu tun?“ Die Protagonistin von Schillers Drama ist eng mit der Gegenspielerin Elisabet I., Königin von England, verknüpft. In diesem Gedankenspiel darf bei Meinhof also Gudrun Ensslin unweigerlich fehlen. Folglich erzählt das Stück eine Geschichte um ein Frauenquartett. Wobei Maria Stuart und Meinhof sowie Elisabeth I. und Ensslin jeweils von ein und derselben Schauspielerin gespielt werden. 
„Die beiden zentralen weiblichen Assoziationsfiguren werden mit ihrer Sterblichkeit wie Historizität und zugleich ihrer ewigen Wiederkehr als Mythos konfrontiert. Sie sind über die Generationengrenze hinweg doppelt besetzt und begegnen den Wiedergängerinnen ihrer selbst, die sich ihnen mahnend, fragend oder fordernd in den Weg stellen.“
Das Stück zeichnet „Königinnenstreits“ zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. nach. Wobei diese auf Meinhof und Ensslin übertragen werden um ihre Beziehung zueinander zu zeigen. Die beiden Frauen standen deutlich in Konkurrenz zueinander und waren sehr verschieden in ihren Einstellungen. 
„Gudrun Ensslin erlebte die terroristische Aktion schon seit der Kaufhausbrandstiftung vor allem als ultimative Selbstverwirklichung. <<Ich bin glücklich>> war der eine Satz, den sie ihrer Schwester 1969 nach der Festnahme sagte. Hingegen muss der Weg der altlinken Starjournalistin Ulrike Meinhof in die RAF bis hin zu ihrem bitteren Ende 1976 als gescheiterter Bildungsroman gelesen werden, in dessen Zentrum eine tiefe Verzweiflung über die Spannung zwischen Geist und Tat steht.“
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Während Meinhof versuchte die Bevölkerung durch ihre Texte aufzurütteln, ging Ensslin also zur Tat über. „>>Die Untauglichkeit meiner Mittel bringt mich fast um<< hatte die ihrer Schreibtischtätigkeit überdrüssige Ulrike Meinhof […] schon im Frühjahr 1968 geäußert.“ Meinhofs Zwiespältigkeit gegenüber Ensslin brachte sie in Kommentaren zum Ausruck, die sie über den Brandstifterprozess für „konkret“ schrieb. „Ensslin und Meinhof mögen zeitweise eine Art >>Gedankenpaar<< gebildet haben. […] Doch nirgends zeigte sich das beziehungsmäßige Machtgefälle zwischen ihnen auf Dauer stärker als in [der] Kinderfrage.“ Das manipulative Talent Ensslins schlug sich deutlich nieder, als es ihr gelang Meinhofs Haltung zu ihren Töchtern „sogar noch in der Haft unerbittlich zum Dreh- und Angelpunkt revolutionärer Moral und Loyalität zu machen.“ So könnte man den endgültigen Abbruch der Beziehung Meinhofs zu ihren Kindern Ende 1973 mit der Verlegung von Ensslin in eine Nachbarzelle im Gefängnis Köln-Ossendorf, wo die beiden jeden Tag einige Stunden gemeinsam verbringen durften, miteinander verknüpfen. „Genau ab diesem Zeitpunkt nahm Meinhof unversehens auch wieder die RAF-typische Kleinschreibung an und verschärfte ihren Tonfall erheblich.“ 
Fraglich ist, ob Meinhof ihre Ikonenstellung, durch falsche Berichterstattung erhielt. So stellten die Fahndungsplakate nach der Baader-Befreiung im Mai 1970, die vor allem Meinhof zeigten, die Sachlage völlig falsch dar. „Die eher zögerliche, unpraktische Helferin hatte freilich mit ihrer Handtasche […] ihren Pass nebst Photo zurückgelassen. Der >>Kopf der terroristischen Roten Armee Fraktion<<, den der Spiegel 1971 in ihr sehen wollte, ist Meinhof nie gewesen. Wenn schon, handelte es sich anfangs um eine Mahler-Baader-Ensslin- […] Gruppe.“ Zwar war Meinhof so etwas wie das Sprachrohr der RAF, dies aber vor allem durch die Qualität ihrer Texte und weniger weil sie das Oberhaupt der Gruppe war. „Die gängige Interpretation, wonach Ulrike Meinhof von Anfang an das mehr oder minder masochistische Opfer des Duos Ensslin-Baader war, geht allerdings fehl. In dem Wissen, dass es nach außen hin sie war, die als Ikone der RAF galt, bewies Meinhof nämlich lange Zeit durchaus erhebliches Selbstbewusstsein.“ Keineswegs war sie nur ein stilles Mäuschen, dass nur so mal mitmachte. So wurde 1976 bekannt, „dass es Ulrike Meinhof gewesen war, die seinerzeit [1972] den Springer-Anschlag geplant und maßgeblich verantwortet hatte.“ So bemühte sie sich in der RAF auch ihre eigenen Vorstellungen einzubringen und handelte als Sprachrohr der RAF häufig selbstständig und ohne Absprache mit den übrigen Mitgliedern. Problematisch dabei war, dass „Meinhofs marxistischer Determinismus […] quer zum triumphalen Voluntarismus der RAF [stand], die nicht Klassenkampf, sondern Befreiungskampf, vor allem aber Selbstbefreiung wollte.“ Durch diesen Streit verlor Meinhof an Bedeutung in der RAF. So spiegelten ihre erbärmlichen Selbstkritiktiraden bald auch die verzweifelte Einsicht, dass sie dem heroischen Sozialdarwinismus der RAF physisch sowie psychisch nicht gewachsen war. Des Weiteren wurde sie vom ehemaligen Sprachrohr der RAF zur Sekretärin degradiert. „Die endgültige Spaltung zwischen den beiden Frauen [Meinhof, Ensslin] dokumentierte sich […] darin, dass Meinhof […] einen Schritt tat, der seit dem Winter 1973, seit der Gemeinschaft der beiden Frauen also, absolut tabu gewesen wäre:“ sie wünschte sich einen Besuch ihrer Kinder. 

Wie kann es also sein, dass von dieser tragischen Geschichte um Meinhof mehr zurückgeblieben ist als von der starken Terroristin Ensslin? Wahrscheinlich hängt es genau damit zusammen. Meinhof ist eine traurige Geschichte, von einer gebrochenen Frau. Die schließlich viel Menschlichkeit zeigte und unter der RAF zunehmend litt. Wobei sie ein sehr ambivalenter Charakter war. Wie könnte es sonst sein, dass sie sich von der kritischen Journalistin, hin zur brutalen Terroristin und schließlich tragische Selbstmörderin, die ihre Kinder vermisste und mit ihren Zielen im Leben gescheitert war. Kam daher auch ihre große Sympathisantenszene? Durch ihr Scheitern? Einerseits hatte die manipulative Ader Ensslins und das Charisma Baaders, sicherlich viel mit Meinhofs Verhalten zu tun, doch hat Meinhof andererseits auch nach eignen Glauben gehandelt und kann daher nicht als Marionette bezeichnet werden. Am ausschlaggebendsten für ihre Ikonen und Märtyrerstellung scheint meiner Meinung der „Mythos-Meinhof“ zu sein. Denn so viel man über sie weiß und vermutet, ist vieles ungewiss, weshalb man schlecht sagen kann, was in ihrem Kopf vorging.  War es so wie Jelinek es im Königinnenstreit zwischen Meinhof und Ensslin zeigte? Oder eher so wie bei Aust, der Meinhof positiv und Ensslin dämonisiert darstellte? Die Literatur stellt die Dinge oftmals überspitzt dar und Biographien sind lediglich Bruchtücke von Erinnerungen. So wird Meinhof wohl ein Mythos und eine Ikone bleiben. 

Literaturverzeichnis:

Gutjahr, Ortrud: Ulrike Maria Stuart von Elfriede Jelinek. Würzburg 2007. 

Samstag, 10. Januar 2015

Lautgedacht: Licht aus!

PEGIDA spaltet die Nation. Laut Facebook und Co. sind augenscheinlich alle dagegen. Komisch. Laufen dann Geister durch Dresden, oder woher kommen die tausenden Demonstranten? 
Selbst Bundestagsabgeordnete, Bürgermeister und sogar die mächtigste Frau im Land sprechen sich gegen die Menschenaufläufe, die die angebliche Islamisierung Deutschlands verhindern wollen, aus. Wenn das so weiter geht, sitzen wir dann wohl alle nur noch im Dunkeln. Schließlich wird denen jetzt immer das Licht ausgemacht. Zeichen setzen eben. Muss man sich als Mitarbeiter der jeweiligen Stadtwerke nun um seinen Job sorgen? Oder wird sogar das Tragen einer Taschenlampe von nun an aus Sicherheitsgründen Pflicht?
Durch diese Lichtausknipserei in vielen deutschen Städten könnte man immerhin den Einsatz vieler Polizisten bezahlen. Dann müsste der Bürger hierfür wenigstens nicht mit seinen Steuergeldern herhalten, von denen man viel bessere Dinge finanzieren könnte: Sprachschulen für Immigranten, Flüchtlingsheime, Förderung von Integration und vielen mehr. Hier ist das Geld deutlich besser angelegt, als bei wütenden Frustbürgern die sich auch noch an dem Freiheits-Slogan „Wir sind das Volk“ vergangen und für ihre rassistischen Parolen benutzt haben. 
Letztlich muss den PEGIDA-Anhängern aber vielmehr ein Licht aufgehen, statt ganz Deutschland das Licht aus. 

Mittwoch, 7. Januar 2015

Shannon

Sanft stupst mich deine feuchte Schnauze an. 
Du blickst mich an, mit deinen dunkelbraunen Augen. 
So viel Liebe in deinem Blick. 
Als würdest du dich sorgen, warum ich so traurig bin. 

Du bist grau geworden. 
Deine Bewegungen sind noch sanfter als früher. 
Ich stütze dich beim Treppengehen. 
Hebe dich auf mein Bett, damit du es gemütlich hast. 

Du möchtest rennen, springen, toben. 
Folgst jeder Spur der Wildnis. 
Hörst mich nicht mehr, wenn ich rufe. 
Ich muss doch auf dich aufpassen. 

Wir sind zusammen aufgewachsen. 
Als Freunde, als Geschwister, als Vertraute. 
Doch bist du jetzt viel älter als ich. 
Falls du mal nicht mehr bist, stirbt ein Teil für mich.