Freitag, 8. November 2013

Buchtipp: Schmunzelgarantie - ,,Für Eile fehlt mir die Zeit"

Aus Zufall fand ich gestern dieses kleine Buch von Horst Evers. In kurzer Zeit bin ich bereits in der Buchmitte angekommen und es war bisher ein richtiges Vergnügen. Kurze Geschichten aus dem Leben, gewürzt mit einer Prise Kabarett und einem großen Löffel voller Humor - die den Leser mit einem Augenzwinkern zum nachdenken bringen, aber frei von Ratschlägen sind. Ein Buch für zwischendurch mit humorvollen, federleichten  Geschichten die im Kopf bleiben - und man unwillkürlich lachen muss beim Gedanken an die zuletzt gelesene.

Fazit: Ein Buch dass mich in der Öffentlichkeit lauthals lachen ließ - sowas gibt es selten! Also absolut empfehlenswert. 

Viel Spaß beim Lesen! 

Lautgedacht: Dorf trifft Stadt - Weniger ist mehr Teil 2

So lief ich also die Innenstadt entlang, vorbei an schicken Läden und Shops links von mir und Bettlern, Künstlern, Missionaren und Obdachlosen zu meiner Rechten. Eine ältere Frau mit südländischem Aussehen saß auf einer Einkaufstüte und ihr fehlte ein Bein. Ich zählte zwei Euro in ihrem Kaffeebecher den sie den Vorbeilaufenden entgegenhielt. Dachte mir jedoch nichts weiter, musste schließlich schnell weiter damit ich den Zug später Richtung Heimat nicht verpasste, weil ich getrödelt hatte. Bei dem großen Kaufhaus angekommen drang die warme Luft schon zu mir heraus. Augen zu und durch dachte ich mir in der Hoffnung es würde nicht allzu lange dauern. Nach dem eintreten versuchte ich den Fängen von Kosmetika und Schmuck im Erdgeschoss zu entgehen und kämpfte mich durch dieses Labyrinth bis zur Rolltreppe. Schreibwaren im vierten Stock las ich auf der Tafel. Zielsicher machte ich mich auf zu den heißbegehrten Schreibwaren. Rolltreppe, rechts abbiegen, Rolltreppe, rechts abbiegen usw. ... Lächelnd lief ich die letzten Stufen der rollende Treppe zügig selbst. Angekommen war von dem eben noch freudigen Lächeln allerdings nicht mehr viel da. Das gibt's doch nicht! Dieser Kaufhauseinrichter oder wie auch immer sie heißen mögen war doch betrunken. Oder ist der selbe wie der aus dem Buchladen. Ich sah da zwar ein Ordner, aber nicht den den ich wollte. Ach und da hinten waren auch noch welche. Und da in der Ecke auch. Sollte ich jetzt durch die gesamte Etage stöbern? Wieder dachte ich an die Psychologie der Verkäufer und mir war die Antwort klar: ja! Genau das sollst du, damit du möglichst viele Dinge siehst die du zwar grade gar nicht kaufen wolltest, aber jetzt wo du sie schonmal gesehen hast... Und am Ende lässt man sich so ablenken, dass man völlig vergisst was man eigentlich kaufen wollte und es fällt einem erst ein wenn man mit Dutzenden Tüten nach Hause kommt und gefragt wird: ,,Und hast du die Hose die du unbedingt wolltest gekauft?". So gab ich die Suche nach dem Ordner kurzerhand auf und konzentrierte mich voll auf den Korrekturstift. Leider waren auch hier meine Synapsen schnell völlig überfordert von zu vielen Eindrücken. Unverrichteter Dinge und sauer zog ich von dannen. Schnellen Schrittes lief ich zur u-Bahn Station zurück. So eine Zeitverschwendung.
Da fiel mein Blick auf die Bettlerin von vorhin. Huch wo kommt denn das zweite Bein her? Da fiel mir auch auf dass in der Einkaufstüte auf der sie saß nicht ihre wenigen Habseligkeiten waren, sondern neu eingepackte Anziehsachen. Krass. Naja wer drauf reinfällt ist selbst schuld, oder? Wobei ich es für die Leute die wirklich Geld brauchen um nicht zu verhungern ziemlich unfair und gemein finde. Sympathisch war mir der dunkelhäutige, weißhaarige dünne Mann der strahlend lächelnd seine Schuhputzdienste anbot. Neben ihm lag ein Schild aus Pappe mit der Aufschrift: ,,ich will arbeiten". Eifrig putzte er die Schuhe eines Mannes und sah dabei zufrieden aus. 

Meinen Zug jedenfalls erreichte ich noch rechtzeitig, sprang eine Stunde später aus ihm heraus, radelte schnell nach Hause und sauste mit dem Auto in die Nachbarstadt. Dieser verkorkste Abend brauchte noch etwas Gutes. Eine halbe Stunde hatte ich noch bis zum Ladenschluss des Drogerie und Schreibwarenladens meines Vertrauens. Binnen kürzester Zeit erwarb ich alles was ich bereits in meiner Unistadt gesucht hatte und sogar noch ein paar andere Dinge - die ich wirklich wirklich wirklich unbedingt brauchte. Mist! Schon wieder auf die Psychotricks hereingefallen. ABER diesmal hatte ich immerhin das gefunden weswegen ich losgezogen bin. 

Meine Lehre aus der Geschichte: nur weil etwas größer, prachtvoller und voller ist, heißt nicht dass es besser ist. Manchmal oder eigentlich sogar meistens ist weniger wirklich mehr. - sollte mir das wohl öfter mal zu Herzen nehmen. Konsum macht viel zu stark abhängig. Verschleiert einem den Blick. Viel zu viele Eindrücke prasseln tagtäglich auf uns herein. Uns wird gesagt was wir unbedingt haben müssen - obwohl wir doch schon viel zu viel haben. Und wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, fehlt der Blick für die Kleinigkeiten wie diesen Schuhputzer mit dem strahlenden Lächeln der einfach nur arbeiten will.

Lautgedacht: Dorf trifft Stadt - Weniger ist mehr Teil 1

Als ich - ein Mädchen vom Dorf - vor einem Jahr mein Studium in einer von Deutschlands Großstädten aufnahm wurde ich von meiner Mutter herzlich belächelt. Danke Mama! Sehr aufbauend. Wobei sie natürlich schon ein bisschen zurecht über mich grinste - so fahre ich lieber täglich über eine Stunde mit dem Zug zur Uni anstatt endlich mal auszuziehen. Aber Zuhause im Grünen ist es für mich einfach am schönsten. Doch während die ersten Wochen aufregend und anstrengend waren - ich öfter panisch nach der richtigen u-Bahn suchte oder mich hoffnungslos verlaufen hatte - habe ich mich inzwischen doch ganz gut eingelebt, auch wenn ich meine Handtasche immer noch krampfhaft festhalte, vor lauter Angst in dieser bösen großen Stadt ausgeraubt zu werden.
Oft versuche ich diesem Überangebot von Lichtern, Werbung, Shops und Essen aller Art zu entgehen. Scheuklappen auf und da rein - dort raus. Inzwischen stört mich auch das gequetsche und Gedränge am Hauptbahnhof nicht mehr - es sei denn natürlich ich habe es super eilig und diese Deppen stehen links auf der Überholspur der Rolltreppe. Da könnte ich wirklich ausrasten. Rechts stehen und links gehen - ist doch ganz einfach, oder? Ich musste dass auf die harte Tour lernen und wurde grob zur Seite geschubst oder verbal auf meinen Fauxpas hingewiesen. Der Weg vom Gleis zur u-Bahn ist schlichtweg ein Kampf! Schon kurz vor verlassen des Zuges wappne ich mich mental darauf mich gleich durchzuboxen. Schultern straffen, Tasche eng an den Körper drücken, Hände zu Fäusten ballen und los geht's! Verschwunden ist nach einem Jahr das unsichere Mädchen, dass herumgeschubst und sich hilfesuchend umblickt. Jetzt habe ich den City Flow und fühle mich echt wohl hier - zumindest tagsüber. 
Doch wurde ich gestern wieder darin bestärkt warum ich nicht in diesem Big City Life leben möchte. Eigentlich wollte ich nach der Uni nur ein paar Sachen besorgen bevor es zurück aufs Dorf geht: eine Druckerpatrone, einen Tipex-Stift, einen Leitz-Ordner sowie ein Buch der Fischer Taschenbibliothek. Sollte ja eigentlich ganz einfach sein. In der Kleinstadt nahe meines Dorfes hätte ich bis auf die aufgefüllte Druckerpatrone alles schnurstracks gefunden. Doch in der Stadt sieht man vor lauter Bäumen einfach den Wald nicht mehr. Die Druckerpatrone war noch einfach. Per google Maps fand ich den Shop nahe der Uni relativ zügig und dank meiner Intuition war darauf auch eine u-Bahn Station schnell entdeckt. Weiter ging es zur Innenstadt. Irgendwie habe ich die Treppe die ich sonst immer nehme verloren. Mist! Es sah nichts aus wie sonst und schwups war ich wieder völlig verunsichert wie ich aus diesem Treppen/ Bahnsteig Labyrinth jemals herausfinden soll. Da ist Deutschland DER Schilderwald schlechthin - aber sinnvolle Schilder die gibt es natürlich nicht. Irgendwie - ich weiß nicht wie - stand ich dann ab der frischen Luft. Endlich! Ich blickte mich um und da - Yeah! Strike! - entdeckte ich den begehrten Buchladen. Leider wurde meine Freude darüber beim eintreten gleich wieder zunichte gemacht. Puh! Warme schwere Luft durchflutete meine Lunge. Binnen weniger Sekunden badete ich in Schweiß. Zerrte den Schal von meinem Hals und zubbelte an meinem dicken Zopfpulli. Wer denkt sich diesen Unfug bloß aus? Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen lag bestimmt - zumindest gefühlt - bei 20 Grad. Soll man etwa im Bikini Bücher kaufen? Erstens ist diese Temperatur für Menschen in Jacke etc. mehr als unangenehm. Natürlich - man könnte die Jacke zwar auch abnehmen, aber zum Bücher gucken hab ich nunmal ganz gerne freie Hände. Außerdem ist dieses aufheizen energiemäßig eine riesige Sauerei für die Umwelt. Während ich mich innerlich über die Hitze aufregte brachen meine Gedanken plötzlich ab als ich mich in der Buchhandlung umblickte. Ach du sch****! Das ist krank! Wer soll das alles kaufen? Tausende, Millionen bunte Cover blickten mich aus mehreren Stockwerken an. Wie soll ich da bloß das finden was ich will? Garnicht dachte ich mir - denn genau das wollen diese Verkaufspsychologen die einem mit irgendwelchen Tricks auch den letzten Mist andrehen könnten. Hätte ich es nicht so eilig gehabt, hätte ich vielleicht die Buchhandlung ganz schön gefunden. Doch so sah ich mich vor einer schwierigen Aufgabe: finde in diesen tausenden Büchern das Buch von Agatha Christie im Format der Fischer Taschenbibliothek UND LASS DICH NICHT ABLENKEN!!! Letzteres war wohl die schwierigste Bedingung. Mit meinem Shopping-Röntgenblick zoomte ich die erste Etage ab "oh das sieht nett aus. Nein! Du hast eine Mission. Aber wenn es doch... Konzentrier dich. " Wäre ich eine Comicfigur hätte es aus meine Ohren gepfiffen und gedampft. Ein innerer Kampf. Schließlich gewann der Wunsch so schnell wie möglich diese Sauna zu verlassen. Schnell die Treppe rauf. Zoom zoom zoom... Ha! Gefunden! Strammen Schrittes lief ich auf den Ständer mit den kleinen süßen Büchern zu. Kniete mich nieder und fing an von unten nach oben nach dem Krimi zu suchen. Nichts. Nochmal. Wieder nichts. Nochmal. Bin ich blind? Lieber nochmal suchen. Nicht da. Das gibts doch nicht. Wollen die mich vera****en? Da sind hier tausende von Büchern - manche davon gibt es auf jeder Etage - ich bin schon ganz blind von so vielen bunten Covern und dieses eine Buch soll jetzt nicht da sein. Toll ^^ ... nicht! Nach einer kurzen Phase der Enttäuschung blickte ich erneut auf den Ständer "Um meine Enttäuschung zu heilen könnte ich mir auch einfach ein anderes buch kaufen. Wäre ja schade wenn ich jetzt mit leeren Händen gehen müsste. Dass wäre ja dann doppelt enttäuschend!", dachte ich und suchte währenddessen schon nach meinem neuen Buch. Gefunden. Zack schnell los zur Kasse. Schließlich brauchte ich noch den Ordner etc. Mit der festen Überzeugung es würde Schreibwaren bei Karstadt finden marschierte ich auf diesen zu. Diesen Weg wusste ich auswendig...